Geschichtliches über Zwingenberg

"Wann oder durch wen diese Stadt erbaut wurde, hat man keine eigentliche Nachricht, daß sie aber eine uralte Stadt sei, schleußt man aus allen Umständen." Diese frühe Beschreibung von Johann Justus Winkelmann in dem Buch "Geschichte des Hessenlands" macht deutlich, daß die Anfänge Zwingenbergs im Dunkel der  Geschichte liegen und wohl auch immer bleiben werden.

Lediglich eine Urkunde aus dem Jahre 1012, in der Kaiser Heinrich II. den Wildbann im Odenwald – das war das dem König zustehende Jagdrecht – dem Kloster Lorsch zum Geschenk machte, weist auf die erste Ortsbezeichnung hin: locum getwinc, das spätere Zwingenberg. Jedoch erst 1258 trat der Ort ins volle Licht der Geschichte. In einer Urkunde aus jenem Jahr erlaubte nämlich der Mainzer Domkapitel dem Grafen Dieter V. von Katzenelnbogen den Bau einer Kirche mit Friedhof für "seine Stadt". In dieser Urkunde werden die Einwohner bereits "oppidani" und der Ort "oppidum" genannt. Daraus geht deutlich hervor, daß Zwingenberg zumindest seit Mitte des 13. Jahrhunderts als Siedlungsanlage bezeugt ist. Wie wichtig dem Grafen der bereits bei dessen Übernahme mit gewaltigen Mauern umgebene Ort war, zeigt die Erhebung Zwingenbergs zur Stadt im Jahre 1274 durch König Rudolf von Habsburg mit der Freiheit für die Bürger und dem damals stadttypischen Marktrecht.

Seine Entstehung verdankt Zwingenberg wohl der Tatsache, daß der Platz dicht am Gebirgshang lag und nach Westen hin von Sumpf und Morast umgeben war. Dadurch mußte sich der gesamte Reiseverkehr durch dieses Nadelöhr zwängen. Strategisch gesehen konnte an dieser Engstelle der gesamte Verkehr überwacht und notfalls auch in "die Zwinge" genommen werden. So entstand wahrscheinlich an dieser Stelle zunächst eine Wasserburg mit einem absichernden Wassergraben, um den Engpaß zu kontrollieren. Erst später dürfte wohl dann die übrige Stadtanlage zum gleich Zweck hinzugekommen sein. Vom Wasserschloß sowie auch von der alten Stadtanlage sind noch viele Überreste vorhanden.

Zwingenberg gehörte bis 1479 zur Obergrafschaft Katzenelnbogen. Danach fiel es an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Die Stadt war Sitz eines Amtes bzw. Oberamtes für zahlreiche umliegende Gemeinden: Alsbach, Auerbach, Groß-Hausen, Groß-Rohrheim, Hähnlein, Hochstädten, Langwaden, Schwanheim, Fürstenlager, Auerbacher Schloß und Jägersburg. Im Jahre 1803 wurde Zwingenberg dem Kreis Bensheim angegliedert, und seit 1938 gehört es zum Landkreis Bergstraße.

Die politische Geschichte der Stadt war aufgrund ihrer bedeutsamen strategischen Lage an einer wichtigen Kriegs- und Handelsstraße mit großem Leid und schrecklichem Elend verbunden. Obwohl sie beiden vielen kriegerischen Auseinandersetzungen niemals selbst Handelnde war, so hatte sie doch stets die furchtbaren Folgen zu tragen. Zerstörungen, Brandschatzungen, Seuchen und Hunger haben die Menschen immer wieder heimgesucht und in Not, Angst und Schrecken versetzt. Besonders im Dreißigjährigen Krieg hatte die Zwingenberger Bevölkerung unsagbar zu leiden. Allein die Pest wütete so furchtbar, daß die Stadt fast menschenleer gefegt wurde und über mehrere Jahre hindurch unbewohnbar war. Die letzte entsetzliche Heimsuchung mußte das wehrlose Städtchen 1693 über sich ergehen lassen. Die Truppen des Franzosenkönigs Ludwig XIV. legten über Nacht den größten Teil der Häuser in Schutt und Asche. Zwingenberg brannte wie ein Scheiterhaufen. Lediglich 11 Häuser auf dem Berg sowie die Kirche überstanden die gemeine Feuersbrunst. Nach dem Wiederaufbau blieb die Stadt dann bis heute im großen und ganzen vor weiterer Zerstörung verschont. Durchmärsche, Einquartierungen und hohe Abgaben lasteten aber immer wieder auf den so geschundenen Bürgern. Erst als die französische Revolution eine neue Epoche einleitete, erholte sich das vom Schicksal so sehr gebeutelte und geschleifte Städtchen.

In Zwingenberg lebten seit frühester Zeit Ackerbürger, die zunächst neben einer kleinen Landwirtschaft einem Handwerks- oder Beamtenberuf nachgingen. In unseren Tagen hat sich dieses Bild völlig gewandelt. Heute wohnen Menschen mit vielen unterschiedlichen Berufen in der Stadt, die Landwirtschaft spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Im Zeichen der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen hat die Stadt ihre traditionell-zentralen Funktionen wie Landgericht bzw. Amtsgericht, Finanzamt, Rentamt u.ä. abgeben müssen. Dafür hat sie sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven Wohnstädtchen entwickelt, das den hier lebenden Menschen hochwertige Wohn- und Freizeitangebote macht. Bei insgesamt mehr als 50 Vereinen hat sich ein Bürgersinn entwickelt, der für eine gesunde Sozialstruktur sorgt. Das Wirtschaftsleben beschränkt sich im großen und ganzen auf innerstädtische Selbstversorgung. Die politischen Gremien sind bemüht, die Infrastruktur Zwingenbergs den modernen Gegebenheiten anzupassen.


Geschichtliches über den Ortsteil Rodau

Die alte Schreibweise von Rodau lautet „Rod“ und „Rodde“, deshalb wird Rodau auch in der Mundart heute noch „Rorre“ genannt. Der Name ist leicht zu deuten. Er setzt sich zusammen aus der alten Bezeichnung Rod (gerodetes Land) und Au (von Wasser umgebenes Land). Aufgrund zahlreicher Bodenfunde wird vermutet, dass die Gegend bereits seit der jüngeren Steinzeit (2.500 v.Chr.) besiedelt war.

Erstmals in der Geschichte wurde Rodau im Jahre 782 im alten Urkundenbuch des Klosters Lorsch genannt. Dort heißt es in der Überschrift:

Noticia des inquisitione hurfelder marcha in qua villa que dicitur Sueinheim sita est, et Rod“.

Zum zweiten Mal wird Rodau 962 erwähnt. In diesem Jahr schenkt ein gewisser Adalhoch dem Kloster Lorsch seinen Besitz in „Scarra“ (Schwarhof zwischen Lampertheim und Mannheim), erhält ihn jedoch zur Nutznießung auf Lebenszeit zurück. Außerdem überlässt ihm das Kloster die Nutzung seines Besitzes in Schwanheim und Rodau (...alles das, was dem Heiligen Nazarius in Sueinheim und Rod gehört, auf Lebenszeit zu Leben erhalten).

Als 1232 das Kloster Lorsch an den Erzbischof von Mainz fällt, wird auch Rodau mainzisch, um es fast ohne Unterbrechung bis zum Jahre 1802 zu bleiben. Danach kam es, wie die anderen kurmainzischen Gebiete rechts des Rheins, zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Das Dorf und die Gemarkung liegen nach einer Gemarkungskarte aus dem Jahr 1668 in einer hufeisenförmigen Schlinge des alten Neckarbetts. Damals wohnten 7 Ehepaare und 21 Kinder im Dorf. Das kleine Dorf wuchs im Laufe der Jahrhundert, so dass es im Jahre 1804 bereits 110 Einwohner zählte. Heute wohnen rund 1.000 Menschen in Rodau.

Die ehemals selbstständige Gemeinde Rodau wurde im Rahmen einer Gebietsreform am 31.12.1970 in die Stadt Zwingenberg eingegliedert und wird seit diesem Zeitpunkt als einziger Stadtteil der Stadt Zwingenberg geführt.

1000 Jahre locus getwinc

Der Grund für die erste Erwähnung von Zwingenberg als eine Stelle mit dem Namen „Getwinc“ war die Verleihung eines Wildbanns im Odenwald durch Kaiser Heinrich II an den Lorscher Abt Poppo im Jahr 1012. Ohne dessen Zustimmung durfte künftig niemand in dem genau definierten Gebiet jagen.

Diese erste urkundliche Erwähnung von Zwingenberg ist im Codex Laureshamensis (Lorscher Codex) verzeichnet.

Der Zwingenberger Stadtteil Rodau ist in dem Codex schon im Jahr 782 genannt.